Donnerstag, 22. Juli 2010
ich bin jacks mangel an möglichkeit
die firma mit dem apfel hat ja neulich ein neues spielzeug herausgebracht...das sogenannte oder auch ipad... ein wunderschön flaches gerät mit einer großenund verdammt spiegelnden arbeitsfläche...die jede berührung liebevoll mit einem fettigen fingerabdruck belohnt... und weil jeder dahergelaufene idiot (mich eingeschlossen) mal seine fettgriffel über das ipad führen will, sieht ein vorführgerät bei mediamarkt nun mal nach kurzer zeit aus, als habe man damit den boden gewischt...
wie dem auch sei, mit der größten mir möglichen offenheit, unvoreingenommenheit und toleranz hab ich das gerät begutachtet und muss sagen dass es a) schon recht schick aussieht und b) eine nette spielerei ist...surfen auf dem ipad ist einfach und bequem... als ebook reader macht es ebenfalls eine gute figur ...
aber...
wieviel arme und hände brauch ich denn bitte, wenn ich damit schreiben will? eine hand zum festhalten und im idealfall zwei hände zum zehnfingersuchsystem... der großteil der menschheit ist an diesem punkt bereits aufgeschmissen...denn die wenigsten menschen die mir bisher über den weg gelaufen sind, hatten drei arme... (um genau zu sein: null personen bisher...)
und was habe ich davon, dass ich keine weiteren geräte (insbesondere usb) anschließen kann?
die antwort: ganz viel nichts...
die weitere erkundung des gerätes schließt ähnlich ab wie der folgende comic der meine attitüde ziemlich treffend beschreibt:
klicken
-> ich bin jacks selbsteinschätzung:
darüber hinaus zähle ich mich zu den menschen, die nicht zwingend hippe und trendige produkte mit einer magisch anmutenden aura um sich herrum brauchen, um ihre eigene kleine und unbedeutende persönlichkeit zu pimpen... und einzutauchen in die illusorische metagesellschaft der nutzerschaft diese einen gerätes und seiner allmächtigen firma...
Mittwoch, 24. Juni 2009
ich bin jacks versiegende quelle
doch nun hat die gierige bestie namens krise ihre krallen nach der guten deutschen quelle gestreckt...
ähnliches mussten bereits die großen kaufhäuser karstadt, kaufhof und hertie über sich ergehen lassen...sie waren die besten pferde im stall, überwanden jedes hindernis aber wurden alt, kamen ebenfalls ins straucheln, sind anschließend gefallen und konnten nur gerade eben gerettet werden...ein lahmendes pferd hätte man erschossen...
das konzept kaufhaus hat sich schlicht und ergreifend überlebt, sei es per versand oder auf tausenden quadratmetern mitten in der stadt...
während der blütezeit der kaufhäuser in den siebzigern und achtzigern konnte man dort wie bereits erwähnt alles kaufen:
die feinripunterhose lang oder kurz von schiesser, den großen oder den kleinen fernseher von grundig, den kühlschrank von liebherr, die waschmaschine von aeg, das radio von telefunken, den mob von vileda und küchenprodukte von rotpunkt uvm...
-> ich bin jacks begrenzt unbegrenzte auswahl...
denn damals gab es -leicht übertrieben formuliert- nur ein fernsehgerät von grundig, eingebaut in furnierholz, braun... entweder dieses gerät oder keins...
die ansprüche der kunden waren nicht so hoch wie heute, die hausfrau begnügte sich mit einem einzigen waschmittel für alle kleider und schleppte nicht das mittel für schwarze klamotten zusammen mit den megaperls, dem flüssigpflegeschaum und dem buntwäschepulver nach hause...ein standardisiertes angebot seitens der hersteller passte wie die faust aufs auge auf eine undifferenzierte nachfrage seitens der kunden...
dieses konzept funktionierte bis in die achtziger jahre hinein wunderbar, die damaligen kaufhäuser etablierten sich teilweise auch noch als trendsetter indem sie neue produkte aus fernost, man denke hierbei an die armbanduhr von casio und co sowie diverse fernsehgeräte, mit ins sortiment aufnahmen... das steigende angebot läutete allerdings das ende des verkäufermarktes ein...
denn könig kunde wurde sich langsam aber sicher seiner macht bewusst und verlangte mehr...in allen konsumbereichen setzten hersteller verstärkt auf die verschiedenen bedürfnisse der kunden, die differenzierung setzte ein, es wurde nunmehr nicht mehr nur ein shampoo angeboten, nein, es wurde eines für glattes haar, für sprödes haar, für fettiges haar, für langes haar, für kurzes haar, für altes haar, für blondes haar, für achsel haar und und und... angeboten...
eine flut von verschiedenen fernsehgeräten, videorecordern, cd spielern überrollte den medienbereich, kleider kamen nun nicht mehr nur aus einer schneiderei vom land sondern von großen webereien aus china und vom italienischen designer...
dieser vermehrung auf der angebotsseite hatten die kaufhäuser nichts entgegenzusetzen, einige hielten bewusst am überalterten konzept aus besseren tagen fest, andere bauten ihr sortiment zwar aus, konnten aber nicht alles unterbringen und zeigten bald lücken im angebot im vergleich zu den dann aufkommenden fachmärkten in verschiedenen bereichen... seien es nun media markt und co oder obi, deichmann und ikea...
vor gar nicht allzulanger zeit war ich in einem karstadt und einem kaufhof gewesen zwecks angebotssondierung was fernsehgeräte angeht... ich fand elf bzw zehn verschiedene geräte, allesamt ziemlich teuer... im media markt wurde ich von über 75 verschiedenen geräten erschlagen, aber vergleichbare geräte deutlich billiger... das rennen gemacht hat aber schließlich ein discountangebot...
womit wir beim nächsten großen konkurrenten wären: die discounter haben in den letzten jahren ihr dichtes netz über deutschland ausgeworfen und bieten viel ware gegen wenig geld...außer nahrungsmittel auch wöchentlich wechselnd elektro- und sportartikel...sie sind einfach zu erreichen, liegen meist in sogenannten fachmarktzentren in stadtnähe und ein besonders wichtiger vorteil: man kann sein auto direkt vor der tür kostenlos abstellen...
doch nicht nur discounter und fachmärkte machen es den kaufhäusern schwer:
der wählerische kunde von heute wird im apple flagship store mit einem tässchen i-puccino bei laune gehalten, während ihm zwei hirnlose marionetten die neuste generation von i-pods vorführen...danach entspannt er bei einem erlebnisgastronomisch von seiltänzern und feuerspuckern kredenzten i-skaffee bevor er zum armani store geht um dort -beraten von einem schwulen und unheimlich cosmopolitischen franzosen- aus 27 verschiedenen jeansmodellen mit i-pod halterung zu wählen... heil dir, könig kunde
-> ich bin jacks kunterbunter käufermarkt
...auf dem besagter könig kunde die uneingeschränkte macht hat, und da kann auch ein versandhandel wie quelle was das angebot angeht, nicht mithalten...ganz zu schweigen vom erlebniswert den manch ein flagshipstore bietet...
das erlebnis "ich geh zu karstadt" was früher teilweise eine deutsche vorzeigefamilie bestehend aus vati, mutti, bettina und mathias, in den nachwehen des wirtschaftswunders und der ölkrise einen ganzen tag lang beschäftigen konnte und freude bereitete, findet heute verteilt auf verschiedene fachgeschäfte statt...
und auch wenn man nun argumentieren kann dass es doch riesige einkaufspassagen gibt, bei denen auch alles unter einem dach ist...so hat man nur teilweise recht....ja, dort ist alles unter einem dach, aber nein, es ist kein kaufhaus, es ist nur eine ansammlung besagter stores, teilweise flagship stores (abhängig von der attraktivität der lage), und das geld fließt nicht zu herrn karstadt und co, sondern direkt zu armani, apple, starbucks, sony und co...
letzte anmerkung: das internet hab ich bewusst ausgelassen...klar, auch ein großer konkurrent, spielt aber in einer ganz anderen liga...
Mittwoch, 1. April 2009
ich bin jacks ode an den konsum
evtl goldstaub im ohr, aber macht ja nichts, gold soll ja gesund sein…ansonsten hat man rein gar nichts außer einer kurzfristigen befriedigung…
noch extremer wird dann die situation bei weniger gut betuchten menschen, die in den genuss eines statussysmbols kommen wollen: entweder –teilweise grottenschlecht- gefälschte artikel (eine D&D brille oder ein addidas accessoir mit 4 streifen…) käuflich erwerben oder aber man verschuldet sich mal eben locker…
-> ich bin jacks alles bewegende frage
„braucht man das alles wirklich?“ und schon ein genialer konstrukteur aus zuffenhausen hat mal gesagt „wir bauen autos, die keiner braucht, aber jeder will“…
dinge die eigentlich keiner braucht, aber jeder will, sind die grundlage für einen florierenden markt für markenwahnsinnige statussammler…materielle masturbation …angefangen bei apple über porsche bis hin zu starbucks…von aston martin über ikea bis hin zu louis vuitton…
während dinge wie ein apple computer noch einen gewissen mehrwert haben, was bspw leistung in gewissen bereichen angeht, kommen andere wie starbucks oder louis vuitton völlig ohne einen nützlichen mehrwert aus…einfacher kaffee und koffer, mehr nicht…
der ikea konsument sucht sein billy oder sein arland möbel nach den persönlichkeitssteigernden attributen wie "modern" oder "zeitlos" aus...
klar, die starbucksbesucher werden jetzt behaupten, dass der kaffee dort besonders gut schmeckt, weil er meinetwegen mit viel liebe zubereitet wurde, von einer kaffeebohne, welche tief im südamerikanischen urwald von glücklichen azteken sklaven handgepflückt wurde…
je öfter die betreffenden personen sich das einreden, desto eher glauben sie es vielleicht…aber es ist und bleibt stinknormaler kaffee…zu starbucks geht man, um gesehen zu werden, um den mondänen hauch der großstadt ins eigene leben wehen zu lassen…um gesehen zu werden und um zeigen zu können, dass man sich völlig überteuerten kaffee leisten kann…um als kleine einzelperson in den kreis der bohème aufzusteigen und das armseelige eigene leben ein stück weit zu „pimpen“ wie man heutzutage sagt…ähnlich verhält es sich mit dem besuch beim teueren restaurant oder erlebnisgastronomie…die grundlegenden motive sind meist „sich etwas gönnen“ und „die (erhoffte) essensqualität“ allerdings zu je sehr geringen anteilen…aber warum geht man da denn wirklich hin?
damit man was zu erzählen hat…nach dem motto „du, ich war demletzt bei…“ und schon werden respekt und bewunderung gierig aufgesogen…
es wird lechzend konsumiert…in der hoffnung dass monetär aufwendige zusatzausstattung die persönlichkeit möglichst individuell definiert…ohne zu realisieren dass man dadurch in der analogie des geltungskonsums untergeht…
wir sind nicht die kostspielige armbanduhr, wir sind nicht das trendige bioprodukt, wir sind nicht das glänzende auto mit dem stern in der einfahrt, wir sind nicht der stilsichere anzug von boss, wir sind nicht der elitäre koffer von louis vuitton, wir sind nicht die blickdichte D&G brille, nicht der leuchtende apfel auf dem laptop und auch nicht das tighte gangsterlabel auf den klamotten…
das alles sind eigentlich nur requisiten der persönlichen einst überschaubaren theaterbühne, auf der unser leben spielt…tauscht man die requisiten aus, ändern sich weder der hauptdarsteller, noch großartig die rahmenhandlung …und nimmt man alles weg, so bleibt einzig und allein dieses aufrecht gehende, sich für die krone der schöpfung haltende tier mit der gattung homo sapiens…und wir sind alle teil dieses spiels…
danke an j. für den kleinen korrekturhinweis :-)