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Dienstag, 13. Juli 2010

ich bin jacks germano-tropischer zustand II

folgende fragen wollen noch behandelt werden:

mehr leistung? fenster auf oder einschlagen? weniger fahrgäste? augen zu und durch? illuminaten?

mehr leistung:
ist grundsätzlich möglich, denn die deutsche bahnindustrie verkauft ihre fahrzeuge weltweit und auch in länder in denen es täglich 40 grad heiß ist... und diese klimaanlagen funktionieren (meistens...) ... aber da schreit dann wieder der mann der das geld verwaltet und sicherlich haben ganz schlaue leute in vielen aufwändigen simulationen und durchgängen berechnet, ab wieviel tagen über temperatur x es sich lohnt, die leistungsfähigere klimaanlage einzubauen...

scheinbar hat unser schönes deutschland nicht genug tage über temperatur x (und ebensowenige unter temperatur y, denn die rechung gilt scheinbar analog für eisschutz, wir erinnern uns an den winter...) um ordentlich power in die anlagen zu bauen...

das erinnert mich irgendwie an folgendes:

"die frage: sollen wir eine rückrufaktion einleiten? [...] man nehme die anzahl der zugelassenen fahrzeuge a, die voraussichtliche defektrate b und den durchschnittlichen betrag der außergerichtlichen einigung c. a mal b mal c ergibt x. wenn x kleiner ist als die kosten einer rückrufaktion wird keine durchgeführt" (der erzähler)...

es scheint sich also zu lohnen, komponenten zu verbauen, bei denen in ausnahmefällen (heißer sommer, kalter winter) in kauf genommen wird, dass fahrgäste schwitzend ihre fahrt aushalten müssen...

fenster öffnen oder gar einschlagen:
dem ein oder anderen wird sicher aufgefallen sein, dass in modernen zügen keine oder nur sehr wenige fenster zu öffnen sind... in letzterem falle meist auch nur mit hilfe eines vierkantschlüssels... das hat den folgenden hintergrund: wie gestern schon erklärt, wird der innenraumluft wärme entzogen... wenn nun jemand bei laufender klimaanlage das fenster aufmachen würde und warme luft von draußen käme zusätzlich nach innen, würde die klimaanlage noch sehr viel schneller an ihre grenzen stoßen...

ich erinnere mich an folgende anekdote: meinereiner sitzt regionalexpress im ehemaligen kleinen erster klasse abteil, draußen ist es ca 30 grad, die klimaanlage erledigt ihre aufgabe gut... im großraum der zweiten klasse ist es zwar nicht heiß, aber kühl ist anders...man kann es trotzdem aushalten ohne an irgenwelche grenzen zu stoßen oder zu schwitzen... die abteiltür schließt nur noch zu zwei dritteln, deshalb kann ich folgendem schauspiel sowohl optisch wie akustischer natur beiwohnen: ein älteres ehepaar (wie man sie sich vorstellt, beide leicht ergraut, er adequat mit langer karierter staubsaugervertreter anzughose und potthässlichem hemd, sie im nicht minder hässlichen geblümten kleid...beide eine goldberandete brille auf der nase) beschwert sich vehement dass man die fenster nicht öffnen könne und der schaffner erklärt mit einer engelsgeduld, dass durch das öffnen der fenster die klimaanlage in ihrer leistung stark nachlässt...

-> ich bin jacks humanoider herdentrieb

mit der zeit verlangten immer mehr passagiere das öffnen der fenster und irgendwann, mit seiner geduld am ende, zückte der schaffner den vierkantschlüssel und öffnet alle vier möglichen klappfenster...warme fahrtluft strömt in den großraum und nach einer guten halben stunde bläst die klimaanlage im großraum nur noch 30 grad heiße luft durch die gegend...welche auch langsam aber sicher in mein abteil hineinwabert...alle passagiere schwitzen und ich bewundere den schaffner für seine beherrschung, denn nun fragte die frau des eben erwähnten älteren ehepaars, warum denn bei diesem wetter auch noch die heizung an wäre...ob die beiden lebend an ihrem zielbahnhof ankamen, vermag ich nicht zu sagen, ich war alsbald in der heimat angekommen...

was man bedenken kann: das öffnen der fenster
wenn die klimaanlage abgeschaltet ist, würde eine wirkung bringen, denn dann würde der fahrtwind für ein wenig kühlung sorgen... aber auch nur für die personen, die in unmittelbarer nähe dieser fenster sitzen... und warum das manche schaffner nicht machen, entzieht sich meiner kenntnis...

einschlagen der fenster:
bei einem ice der mit 300 km/h durch die landschaft fährt, möchte ich nicht in der nähe des eingeschlagenen fensters sitzen... auch sicherheitsglasscheiben und deren bruchstücke (die es offziell nicht geben darf) schmerzen wenn sie einem mit knapp 200 km/h entgegenkommen und man im sitz kauernd der kollision nicht mehr entgehen kann... gleiches gilt für nahverkehrszüge...nur mit verringertem tempo...

weniger fahrgäste in den zug lassen:
man kennt das ja im berufsverkehr...99,9% der leute wollen nicht auf den nächsten zug oder bus warten, auch wenn dieser nur wenige minuten später fährt... (je größer die zeitspanne bis zum nächsten zug, desto verständlicher der wunsch der sofortigen fahrt...)

-> ich bin jacks drängendes gleichheitsbedürfnis...

"wenn der da vorne in den zug kann, dann will ich das auch"

selbst hühner in käfigen und schweine auf tiertransporten haben manchmal mehr platz als ein pendler im öpnv...

und so kommt es oft vor, dass in ballungsgebieten innerhalb von zehn minuten der erste pendler zug mit 175% auslastung fährt und der folgende nur mit 30% ...

im prinzip hindert niemand die fahrgäste daran, nicht in einen überhitzten nahverkehrszug einzusteigen oder wenn sie drin sind, wieder auszusteigen...

augen zu und durch:
das scheint wohl eine weit verbreitete gangart zu sein...

illuminaten:
die haben ihr konspiratives netzwerk schon längst bis in alle ebenen unseres staates gesponnen...sie bestimmen natürlich auch das wetter, die ziehung der lottozahlen und paul der krake is ebenfalls einer von denen...

sind wir jetzt in der diskussion einen schritt weitergekommen?

nein, aber ich habe zumindest versucht, das problem so neutral wie möglich zu erörtern... und pauschalforderungen nach "fenster auf" zu berücksichtigen und zu erläutern, warum die schaffner und zugführer keineswegs dummes zeug erzählen...es wird bedingt durch fehlerwahrscheinlichkeiten und unvorhersehbare umstände immer zu technischen fehlern kommen... und wenn es um die bahn geht, werden diese technischen probleme immer in aller öffentlichkeit diskutiert werden...und vor allem die pauschalisierung ist hier ein großes thema...denn wenn man den durchschnittsdeutschen auf der straße nach der bahn fragt, so sind grundsätzlich immer alle züge zu spät, dreckig und kaputt...auch wenn der befragte das letzte mal vor zehn jahren einen bahnhof von innen gesehn hat...

die deutsche bahn wird sich auch in zukunft nur an nackten zahlen orientieren, wenn es darum geht, neue züge zu beschaffen... und nackte zahlen schönt man am besten durch einsparungen...

Montag, 12. Juli 2010

ich bin jacks germano-tropischer zustand I

analog zu dem bericht im winter folgende einleitung:

ein schneller blick nach draußen auf meinen balkon mit dem dort stehenden liegestuhl und der offenen balkontür und der tatsache, dass innentemperatur bei gut dreißig grad und außentemperatur auch nachts noch über zwanzig grad liegen, macht deutlich, dass aktuell der sommer in deutschland herrscht...

und zum sommer gehören nun auch manchmal temperaturen jenseits der dreißig grad marke...

und so kommt es alle jahre wieder zu ausfällen bei den klimaanlagen der deutschen bahn...seit jahren kommt es vor allem auf meiner haus- und hofstrecke bei den regionalexpressen zu ausfällen im hochsommer, was zur folge hat, dass der innenraum auf weit über vierzig grad erhitzt wird...und fahrgäste in einem schwülheißen zug mit transpirationsbedingter luftfeuchte von 100% durch die lande gekarrt werden...

aktuell kursieren meldungen über kollabierte jugendliche in ice zügen und täglich kommen neue meldungen ans licht...

bei solchen gelegenheiten erinnern sich die mit öffentlichkeitsarbeit bemühten gremien der bahn gerne an die hohe und unbestechlich weil erbarmungslos ehrliche kunst der mathematik (übrigens auch viele andere konzerne wie aktuell bp zum thema "wieviel öl fließt prozentual gesehen im vergleich zu einem umgekehrt proportional kleineren leck verglichen mit der gesamtförderleistung und der menge wasser im ozean unkontrolliert aus")

gebetsmühlenartig wiederholen sprecher der deutschen bahn, dass wenn von x-tausend fernzügen am tag bei dreien probleme auftauchen, dann seien das einzelfälle...

soweit richtig... und mathematisch nicht von der hand zu weisen...

(und wenn von x-tausend zügen am tag nur zehn pünktlich sind, dann sind das auch nur einzelfälle...aber das ist ein anderes thema...)

-> ich bin jacks vereinfachte betrachtungsweise...

denn die deutsche bahn fährt nicht nur im fernverkehr durch die lande, sondern auch im nahverkehr... und dort -wie eben schon erwähnt- kommt es tagtäglich in vielen zügen im sommer zu heißen hitzeschlachten bei denen zwar niemand kollabiert, aber der ein oder andere liter schweiß durch die poren transpiriert... und ich wette um einen kasten bier, dass dies keine einzelfälle sind...

und solangsam kommt raus, dass weit mehr züge betroffen waren als man anfangs mit zahlenspielchen beschönigen konnte...

-> ich bin jacks freudige erwartung

wie lautete doch im winter gleich nochmal die ausrede? die züge seien nicht für diese sibirischen zustände gemacht?

ok...ich warte gespannt auf den sprecher der mit ernstem und kompetentem gesichtsausdruck konstatiert "die züge seien schließlich nicht für diese tropischen zustände gemacht" ...

warum passiert es überhaupt? lassen wir mal die vorwürfe der mangelhaften wartung außen vor und schauen ganz vereinfacht auf die wirkungsweise einer klimaanlage (und ja, ich weiß, es gibt viele verschiedene bauarten und viele verschiedene möglichkeiten des einsatzes und ich lassen bei der nun folgenden erklärung viele details weg...aber ich sagte ja: VEREINFACHT)

-> ich bin jacks 1x1 der klimaanlage:

eine klimaanlage arbeitet mit einem kühlkreislauf... ein kühlmittel welches einen weitaus niedrigeren siedepunkt als wasser hat, zirkuliert in einem röhrensystem und nimmt wärme aus dem inneren des raumes auf und gibt sie außen an die umgebung ab...das geschieht folgendermaßen: das kühlmittel kommt in flüssigem zustand von draußen und durchströmt das rohrsystem im inneren...auf dieses wird mittels gebläse warme luft des innenraums geblasen... das kühlmittel nimmt wärme auf und wechselt in den gasförmigen zustand...die nun abgekühlte luft wird wieder an den innenraum abgegeben... hier ein hinweis: eine klimaanlage im eigentlichen sinne führt keine kalte luft zu, sie entnimmt nur wärme...nun strömt das gasförmige kühlmittel weiter und wird von der außenluft wieder abgekühlt...verflüssigt sich wieder und macht sich dann wieder auf den weg in den innenraum...

das funktioniert auch ganz gut wenn die außentemperaturen erträglich sind und ein zug normal (jeder zahlende / schwarzfahrende / zufriedene / nörgelnde / essende / schlafende / verträumte fahrgast hat mindestens einen sitzplatz) ausgelastet ist...

wenn jetzt aber wie sooft in stoßzeiten die züge mit 175% auslastung fahren und die leute im inneren schon nicht mehr umfallen können, weil sie sich gegenseitig stehend stützen, dann heizen auch entsprechen mehr menschen den innenraum mit ihren 37° körpertemperatur auf und in kombination mit der aufheizung durch die sonneneinstrahlung reicht dann die kapazität der wärmeentziehung der klimaanlage irgendwann nicht mehr aus... die folge: nicht mehr ausreichend wärme kann entzogen werden und die nach wie vor warme luft wird wieder in den innenraum zurückgeblasen...es bleibt warm...

entsprechend wirkt auch noch die außentemperatur auf die kühlleistung ein...

(natürlich kommen noch mehr faktoren hinzu, alle zu erwähnen würde den rahmen hier sprengen)

und nun kann natürlich nach herzenslust diskutiert werden...mehr leistung? fenster auf oder einschlagen? weniger fahrgäste? augen zu und durch? illuminaten?

-> ich bin jacks klimatischer cliffhanger...

mehr dazu morgen...